Blutdruck messen

Blutdruck richtig messen: 7 Fehler, die Ihre Werte verfälschen

Manschette zu locker, Arm zu tief, direkt nach dem Kaffee: Kleine Fehler verschieben den Blutdruckwert um bis zu 20 mmHg. Diese sieben Punkte entscheiden, ob Ihre Messung aussagekräftig ist.

Von BPER Redaktion · · 4 Min. Lesezeit
Mann misst am Bett sitzend seinen Blutdruck mit einer Oberarmmanschette
Mann misst am Bett sitzend seinen Blutdruck mit einer Oberarmmanschette

Der Blutdruck ist einer der wenigen Gesundheitswerte, die Sie zu Hause selbst erheben können. Genau darin liegt die Chance – und das Risiko. Denn ein Messgerät liefert immer eine Zahl. Ob diese Zahl etwas mit Ihrem tatsächlichen Blutdruck zu tun hat, entscheidet sich in den fünf Minuten davor.

Die folgenden sieben Fehler sind die häufigsten. Jeder einzelne kann den Wert um 5 bis 20 mmHg verschieben. Zusammen genommen erklären sie, warum viele Menschen zu Hause ganz andere Werte sehen als in der Praxis.

Warum ein einzelner Wert selten die ganze Wahrheit sagt

Blutdruck ist keine Konstante, sondern ein fortlaufender Verlauf. Er schwankt von Schlag zu Schlag, im Tagesrhythmus und mit jeder Belastung. Eine einzelne Messung ist deshalb immer eine Momentaufnahme aus einem beweglichen System.

Das ist kein Argument gegen das Messen – im Gegenteil. Es ist ein Argument dafür, sauber und regelmäßig zu messen und die Werte zu dokumentieren, statt aus einer einzelnen Zahl eine Diagnose abzuleiten.

Fehler 1: Direkt losmessen, ohne zur Ruhe zu kommen

Wer sich hinsetzt und sofort die Manschette anlegt, misst den Blutdruck der letzten Minute – Treppe, Telefonat, Termindruck inklusive. Fachgesellschaften empfehlen einheitlich eine Ruhephase von mindestens fünf Minuten im Sitzen, bevor die Messung startet.

Diese fünf Minuten sind kein Luxus. Sie sind der Unterschied zwischen einem belastbaren Wert und einer Zufallszahl.

Fehler 2: Die falsche Manschettengröße

Eine zu kleine Manschette am kräftigen Oberarm drückt stärker, als sie soll, und liefert zu hohe Werte. Eine zu große Manschette am schlanken Arm liefert umgekehrt zu niedrige Werte. Beide Abweichungen liegen im zweistelligen Bereich.

Messen Sie einmal Ihren Oberarmumfang und vergleichen Sie ihn mit der Angabe auf der Manschette. Die meisten Standardmanschetten decken 22 bis 32 cm ab – darüber und darunter brauchen Sie eine andere Größe.

Fehler 3: Die Manschette sitzt nicht auf Herzhöhe

Jeder Zentimeter, den die Manschette über oder unter Herzhöhe liegt, verändert den gemessenen Wert um etwa 0,8 mmHg. Ein Arm, der locker auf dem Oberschenkel liegt, produziert dadurch systematisch zu hohe Werte.

Legen Sie den Unterarm entspannt auf einen Tisch, sodass die Manschette etwa auf Höhe der Brustmitte sitzt. Halten Sie den Arm nicht selbst in der Luft – Muskelanspannung erhöht den Wert zusätzlich.

Fehler 4: Sprechen während der Messung

Reden während der Messung hebt den systolischen Wert um bis zu 10 mmHg. Das gilt auch für kurze Antworten und für das Mitlesen vom Handy. Bleiben Sie während der gesamten Messung still, mit beiden Füßen flach auf dem Boden und ohne die Beine zu überschlagen.

Fehler 5: Kaffee, Zigarette oder volle Blase

Koffein und Nikotin heben den Blutdruck für 30 bis 60 Minuten an. Eine volle Blase kann den systolischen Wert um 10 bis 15 mmHg erhöhen. Alle drei Effekte sind vermeidbar – und sie erklären einen erheblichen Teil der Ausreißer in Blutdrucktagebüchern.

Fehler 6: Nur an einem Arm messen

Bei der ersten Messung sollten Sie beide Arme vergleichen. Unterschiede von mehr als 10 bis 15 mmHg sind ein Befund, den Sie ärztlich abklären lassen sollten. Danach messen Sie dauerhaft am Arm mit dem höheren Wert – nicht am bequemeren.

Fehler 7: Nur den Wert notieren, der gefällt

Messen, verwerfen, neu messen, bis die Zahl passt: Das ist menschlich und macht das Blutdrucktagebuch wertlos. Notieren Sie jede Messung, auch die unbequeme. Ärztlich verwertbar wird ein Tagebuch erst durch Vollständigkeit.

Üblich sind zwei Messungen im Abstand von ein bis zwei Minuten, morgens und abends, über sieben Tage. Der Mittelwert dieser Serie sagt mehr aus als jeder Einzelwert.

So messen Sie richtig – die Kurzanleitung

  1. Fünf Minuten ruhig sitzen, nicht sprechen, nicht aufs Handy schauen.
  2. Blase vorher entleeren; 30 Minuten vorher kein Kaffee, kein Nikotin.
  3. Passende Manschette direkt auf die Haut, zwei Fingerbreit über der Ellenbeuge.
  4. Unterarm auf dem Tisch, Manschette auf Herzhöhe, Rücken angelehnt, Füße flach.
  5. Zwei Messungen im Abstand von ein bis zwei Minuten, beide notieren.
  6. Morgens vor der Medikamenteneinnahme und abends messen, sieben Tage lang.
  7. Alle Werte mit Datum und Uhrzeit dokumentieren – lückenlos.

Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten

Sauber gemessene Werte, die dauerhaft bei oder über 135/85 mmHg liegen, gehören ärztlich bewertet. Das gilt ebenso für stark schwankende Werte, für einen Seitenunterschied von mehr als 15 mmHg und für Beschwerden wie Schwindel, Sehstörungen oder Brustschmerz.

Ein Blutdrucktagebuch ersetzt keine Diagnose. Es ist die Grundlage, auf der eine Diagnose überhaupt erst möglich wird.

Häufige Fragen

Wie oft sollte ich zu Hause Blutdruck messen?

Für eine belastbare Einschätzung messen Sie an sieben aufeinanderfolgenden Tagen jeweils morgens und abends zweimal. Danach genügen in der Regel wenige Kontrollmessungen pro Woche, sofern Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nichts anderes empfiehlt.

An welchem Arm soll ich messen?

Vergleichen Sie bei der ersten Messung beide Arme und messen Sie anschließend dauerhaft an dem Arm mit den höheren Werten. Ein dauerhafter Seitenunterschied von mehr als 15 mmHg sollte ärztlich abgeklärt werden.

Sind Handgelenkgeräte genauso genau wie Oberarmgeräte?

Handgelenkgeräte können genau messen, reagieren aber deutlich empfindlicher auf die Position des Arms. Für die Selbstmessung zu Hause werden validierte Oberarmgeräte bevorzugt empfohlen.

Warum sind meine Werte beim Arzt höher als zu Hause?

Dieses Phänomen ist als Weißkittelhypertonie bekannt. Genau deshalb sind sauber dokumentierte Werte aus dem häuslichen Umfeld für die Beurteilung so wertvoll.

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Quellen

  1. Deutsche Hochdruckliga e. V. DHL – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention: Blutdruck richtig messen
  2. Deutsche Herzstiftung e. V.: Blutdruck messen – so geht es richtig
  3. European Society of Hypertension: 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension
BR
BPER Redaktion

Die BPER Redaktion schreibt über Blutdruck, Puls und Herz-Kreislauf-Gesundheit. Alle Beiträge werden vor Veröffentlichung fachlich gegengelesen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt weder eine ärztliche Diagnose noch eine Behandlung. Bei Beschwerden oder Fragen zu Ihrer Therapie wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.