Blutdruck messen

Blutdruck messen: rechts oder links? Die klare Antwort

Beim ersten Mal beide Arme, danach immer der mit den höheren Werten. Und der Seitenunterschied selbst ist ein Befund, den viele übersehen.

Von BPER Redaktion · · 3 Min. Lesezeit
Schematischer Vergleich der Blutdruckmessung am rechten und am linken Arm mit Seitendifferenz
Schematischer Vergleich der Blutdruckmessung am rechten und am linken Arm mit Seitendifferenz

Die Antwort in drei Sätzen: Messen Sie beim ersten Mal an beiden Armen. Bleiben Sie danach dauerhaft bei dem Arm mit den höheren Werten. Ein dauerhafter Unterschied von mehr als 15 mmHg gehört ärztlich abgeklärt.

Damit ist die Frage beantwortet. Interessanter ist, warum das so ist – denn die Begründung erklärt auch, warum die falsche Wahl Sie systematisch in die Irre führt.

Warum der höhere Arm gilt

Fast jeder Mensch hat zwischen den Armen einen kleinen Unterschied – wenige mmHg sind völlig normal. Er entsteht durch die unterschiedliche Gefäßanatomie: Die Arterie zum rechten Arm zweigt anders von der Hauptschlagader ab als die zum linken.

Maßgeblich ist der höhere Wert, weil er dem tatsächlichen Druck im Kreislauf näherkommt. Der niedrigere Arm unterschätzt ihn. Wer also den „angenehmeren" Arm wählt, stuft sich über Jahre hinweg zu gut ein – und merkt es nicht, weil die Werte ja konstant aussehen.

Praktisch heißt das: Diese Entscheidung treffen Sie einmal. Danach immer derselbe Arm, sonst sind Ihre Werte nicht mehr miteinander vergleichbar.

Der Unterschied selbst ist eine Information

Hier wird es medizinisch interessant. Ein dauerhafter Seitenunterschied von mehr als 15 mmHg beim oberen Wert ist nicht einfach eine Messkuriosität, sondern kann auf eine Verengung in einer der zuführenden Arterien hinweisen. In großen Auswertungen geht ein solcher Unterschied mit einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko einher.

Das ist ein Befund, den man nur findet, wenn man einmal gezielt danach sucht. Wer von Anfang an nur einen Arm misst, wird ihn nie entdecken.

Wichtig: Ein einzelner Vergleich reicht nicht. Messen Sie beide Arme an drei verschiedenen Tagen. Nur wenn der Unterschied reproduzierbar ist, zählt er.

So machen Sie den Seitenvergleich richtig

  1. Fünf Minuten ruhig sitzen, Rücken angelehnt, Beine nicht überkreuzt.
  2. Am ersten Arm messen. Manschette auf Herzhöhe, richtige Größe.
  3. Ein bis zwei Minuten warten, dann am zweiten Arm messen.
  4. Anschließend noch einmal am ersten Arm messen. Der Mittelwert der beiden Messungen am ersten Arm ist fairer, weil der Blutdruck über die Sitzung hinweg meist etwas absinkt.
  5. An zwei weiteren Tagen wiederholen.

Schritt 4 wird fast immer weggelassen und ist der häufigste Grund für scheinbare Seitenunterschiede, die keine sind.

Wann der Arm nicht frei wählbar ist

In einigen Situationen wird ein bestimmter Arm ausgespart. Dazu gehören unter anderem ein Dialyse-Shunt, eine Lymphknotenentfernung auf dieser Seite, eine frische Verletzung oder ein Zugang. Wenn eine dieser Situationen auf Sie zutrifft, gilt die ärztliche Vorgabe – unabhängig davon, welcher Arm die höheren Werte zeigt.

Wo gemessen wird, ist wichtiger als welcher Arm

Zwei häufige Verwechslungen, die größere Fehler verursachen als die Seitenwahl:

Oberarm statt Handgelenk. Für die Selbstmessung werden validierte Oberarmgeräte empfohlen, weil Handgelenkgeräte viel empfindlicher auf die Armposition reagieren. Details in Blutdruck am Handgelenk messen.

Manschette auf Herzhöhe. Zehn Zentimeter darunter ergeben rund 7,5 mmHg zu viel – das ist mehr, als die meisten Seitenunterschiede ausmachen. Alle sieben häufigen Fehler stehen in Blutdruck richtig messen.

Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten

  • Bei einem reproduzierbaren Seitenunterschied von mehr als 15 mmHg
  • Wenn ein Arm bei Belastung schmerzt oder schnell ermüdet
  • Bei kaltem, blassem oder taubem Gefühl in einem Arm
  • Wenn Ihr Wochenmittel am maßgeblichen Arm bei oder über 135/85 mmHg liegt

Bei plötzlichem starkem Kopfschmerz, Brustschmerz, Sprach- oder Sehstörungen oder einseitiger Lähmung: sofort den Rettungsdienst unter 112 rufen.

Häufige Fragen

An welchem Arm soll ich den Blutdruck messen?

Beim ersten Mal an beiden. Danach immer an dem Arm, der die höheren Werte zeigt. Diese Entscheidung treffen Sie einmal und bleiben dann dabei, damit Ihre Werte vergleichbar bleiben.

Warum gilt der höhere und nicht der niedrigere Wert?

Weil er dem tatsächlichen Druck im Kreislauf näherkommt. Wer den Arm mit den niedrigeren Werten wählt, stuft sich dauerhaft zu gut ein, ohne es zu merken.

Ab welchem Seitenunterschied sollte ich zum Arzt?

Ab mehr als 15 mmHg beim oberen Wert, wenn der Unterschied an mehreren Tagen reproduzierbar ist. Er kann auf eine Verengung in einer zuführenden Arterie hinweisen.

Warum messe ich am zweiten Arm oft niedriger?

Weil der Blutdruck im Verlauf einer Messsitzung meist etwas absinkt. Deshalb sollten Sie am ersten Arm zweimal messen – vor und nach dem zweiten Arm – und den Mittelwert vergleichen.

Gibt es Situationen, in denen ein Arm tabu ist?

Ja, etwa bei einem Dialyse-Shunt, nach einer Lymphknotenentfernung auf dieser Seite, bei frischen Verletzungen oder liegenden Zugängen. Dann gilt die ärztliche Vorgabe.

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Quellen

  1. Deutsche Hochdruckliga e. V. DHL – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention: Blutdruck richtig messen
  2. Deutsche Herzstiftung e. V.: Blutdruck messen – so geht es richtig
  3. Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie (2023)
  4. European Society of Hypertension: 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension
BR
BPER Redaktion

Die BPER Redaktion schreibt über Blutdruck, Puls und Herz-Kreislauf-Gesundheit. Alle Beiträge werden vor Veröffentlichung fachlich gegengelesen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt weder eine ärztliche Diagnose noch eine Behandlung. Bei Beschwerden oder Fragen zu Ihrer Therapie wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.