Werte verstehen

Blutdruck 100 zu 70 bei Frauen: Wann niedrig zu niedrig ist

Ein niedriger Blutdruck ohne Beschwerden gilt nicht als behandlungsbedürftig. Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern ob Symptome dazukommen – und welche.

Von BPER Redaktion · · 4 Min. Lesezeit
Ohne Beschwerden ist 100 zu 70 kein Befund; mit Schwindel oder Ohnmacht gehoert der Wert abgeklaert.
Ohne Beschwerden ist 100 zu 70 kein Befund; mit Schwindel oder Ohnmacht gehoert der Wert abgeklaert.

100 zu 70 löst oft Verunsicherung aus, weil der Wert so deutlich unter allem liegt, was man sonst liest. Die beruhigende Antwort vorweg: Ein niedriger Blutdruck ohne Beschwerden ist kein Befund.

Das ist der entscheidende Unterschied zum Bluthochdruck. Hoher Blutdruck schadet auch dann, wenn man nichts spürt – deshalb gibt es dort feste Grenzwerte. Niedriger Blutdruck richtet keinen stillen Schaden an. Er wird erst dann relevant, wenn er Symptome verursacht.

Was als niedrig gilt

Als Orientierung gilt ein Blutdruck unter 100/60 mmHg bei Frauen und unter 110/70 mmHg bei Männern als niedrig. Mit 100 zu 70 liegen Sie also am unteren Rand des Normalen, nicht darunter.

Wichtig zur Einordnung: Es gibt keine eigene Grenzwerttabelle für Frauen. Die Einstufung von Bluthochdruck ist geschlechtsunabhängig. Richtig ist nur, dass Frauen vor den Wechseljahren im Mittel etwas niedrigere Werte haben – ein statistischer Unterschied, keine eigene Norm. Die vollständige Systematik steht in Blutdruckwerte-Tabelle: Was Ihre Zahlen bedeuten.

Wann es harmlos ist

Wenn Sie leistungsfähig sind, sich wohlfühlen und beim Aufstehen nicht schwindelig werden, ist 100 zu 70 schlicht Ihr Blutdruck. Ein niedriger Ruhedruck ist bei schlanken, jungen und sportlichen Menschen häufig und geht statistisch sogar mit einem geringeren Herz-Kreislauf-Risiko einher.

In diesem Fall braucht es keine Behandlung, keine Tabletten und auch keine besondere Überwachung.

Wann es abgeklärt gehört

Anders sieht es aus, wenn Beschwerden dazukommen:

  • Schwindel oder Schwarzwerden vor den Augen beim Aufstehen
  • Kurze Ohnmacht – auch wenn es „nur einmal" war
  • Anhaltende Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Leistungsknick
  • Kalte Hände und Füße zusammen mit Herzklopfen
  • Übelkeit oder Luftnot bei leichter Belastung

Dann ist nicht der Wert das Problem, sondern die Frage nach der Ursache. In Betracht kommen unter anderem Flüssigkeitsmangel, Blutarmut, Schilddrüsen- oder Nebennierenerkrankungen, Nebenwirkungen von Medikamenten oder eine Regulationsstörung des Kreislaufs beim Lagewechsel.

Besondere Aufmerksamkeit verdient ein neu aufgetretener niedriger Blutdruck. Wer jahrelang 125 zu 80 hatte und plötzlich bei 100 zu 70 liegt, sollte das ärztlich abklären lassen – eine Veränderung ist aussagekräftiger als ein absoluter Wert.

Der Abstand zwischen den Werten

100 minus 70 ergibt einen Pulsdruck von 30 mmHg. Das ist niedrig, aber noch nicht auffällig. Ein gemittelter Abstand unter etwa 25 bis 30 mmHg kann bedeuten, dass pro Herzschlag wenig Blut ausgeworfen wird – kommen dann Luftnot, Schwindel oder ein Leistungsknick dazu, gehört das abgeklärt. Mehr in Pulsdruck: Was der Abstand Ihrer Blutdruckwerte verrät.

Der Sonderfall Schwangerschaft

In der Schwangerschaft sinkt der Blutdruck häufig, besonders im zweiten Drittel – das ist ein normaler Anpassungsvorgang. Schwindel und Kreislaufprobleme sind dabei häufig. Trotzdem gehört jede auffällige Blutdruckveränderung in der Schwangerschaft in die ärztliche Betreuung, in beide Richtungen.

Was im Alltag hilft – wenn Beschwerden bestehen

Diese Maßnahmen sind allgemein anerkannt und ersetzen keine Abklärung der Ursache:

  • Langsam aufstehen, besonders morgens – erst aufsetzen, kurz sitzen bleiben, dann aufstehen.
  • Ausreichend trinken. Wer wegen einer Herz- oder Nierenerkrankung eine begrenzte Trinkmenge einhalten muss, hält sich an diese Vorgabe.
  • Bewegung – regelmäßige Ausdauerbelastung stabilisiert die Kreislaufregulation.
  • Wechselduschen und Kompressionsstrümpfe werden häufig empfohlen.
  • Mehrere kleinere Mahlzeiten statt weniger großer, da nach dem Essen der Druck zusätzlich absacken kann.

Zum Thema Salz: Bei niedrigem Blutdruck wird gelegentlich zu mehr Salz geraten. Das ist keine pauschale Empfehlung – besprechen Sie es ärztlich, bevor Sie etwas ändern.

Richtig messen lohnt sich auch hier

Auch niedrige Werte werden durch Messfehler verzerrt. Eine Woche mit je zwei Messungen morgens und abends, dazu jeweils der Puls und eine Notiz zu Beschwerden – damit lässt sich in der Praxis viel mehr anfangen als mit einer einzelnen Zahl. Die Fehlerquellen stehen in Blutdruck richtig messen.

Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten

  • Bei Ohnmacht oder Beinahe-Ohnmacht
  • Bei neu aufgetretenem oder deutlich gesunkenem Blutdruck
  • Bei anhaltender Müdigkeit oder Leistungsknick ohne erklärbare Ursache
  • Wenn Sie blutdrucksenkende Medikamente nehmen und die Werte niedrig sind – die Dosis gehört ärztlich überprüft, aber nicht eigenständig geändert

Bei Bewusstlosigkeit, Brustschmerz oder Luftnot: sofort den Rettungsdienst unter 112 rufen.

Häufige Fragen

Ist 100 zu 70 bei Frauen zu niedrig?

Wenn keine Beschwerden bestehen, ist der Wert unbedenklich. Er liegt am unteren Rand des Normalen. Ein niedriger Ruhedruck ist bei schlanken, jungen und sportlichen Menschen häufig und geht statistisch sogar mit einem geringeren Herz-Kreislauf-Risiko einher.

Ab wann spricht man von zu niedrigem Blutdruck?

Orientierend unter 100/60 mmHg bei Frauen und unter 110/70 mmHg bei Männern. Anders als beim Bluthochdruck ist diese Grenze aber kein Behandlungsanlass – entscheidend ist, ob Beschwerden auftreten.

Welche Beschwerden sollte ich abklären lassen?

Schwindel oder Schwarzwerden beim Aufstehen, kurze Ohnmacht, anhaltende Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Leistungsknick sowie Übelkeit oder Luftnot bei leichter Belastung. Auch ein neu gesunkener Blutdruck gehört untersucht.

Gibt es eine eigene Blutdrucktabelle für Frauen?

Nein. Die Grenzwerte für Bluthochdruck gelten geschlechtsunabhängig. Frauen haben vor den Wechseljahren im Mittel etwas niedrigere Werte, danach gleicht sich das an.

Was hilft bei niedrigem Blutdruck mit Beschwerden?

Langsames Aufstehen, ausreichend trinken, regelmäßige Bewegung, Wechselduschen und mehrere kleinere Mahlzeiten sind allgemein anerkannt. Sie ersetzen aber nicht die Abklärung der Ursache. Zu einer höheren Salzzufuhr sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

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Quellen

  1. Deutsche Herzstiftung e. V.: Niedriger Blutdruck – wann wird er gefährlich?
  2. Deutsche Hochdruckliga e. V. DHL – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention
  3. Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie (2023)
  4. European Society of Hypertension: 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension
BR
BPER Redaktion

Die BPER Redaktion schreibt über Blutdruck, Puls und Herz-Kreislauf-Gesundheit. Alle Beiträge werden vor Veröffentlichung fachlich gegengelesen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt weder eine ärztliche Diagnose noch eine Behandlung. Bei Beschwerden oder Fragen zu Ihrer Therapie wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.