Werte verstehen

Blutdruckwerte-Tabelle: Was Ihre Zahlen bedeuten

Für die Praxis und für zu Hause gelten unterschiedliche Grenzwerte. Die vollständige Tabelle, was sich 2024 wirklich geändert hat und warum es keine Blutdrucktabelle nach Alter gibt.

Von BPER Redaktion · · 5 Min. Lesezeit
Tabelle: In der Praxis gilt Bluthochdruck ab 140/90 mmHg, bei der Messung zu Hause bereits ab 135/85 mmHg.
Tabelle: In der Praxis gilt Bluthochdruck ab 140/90 mmHg, bei der Messung zu Hause bereits ab 135/85 mmHg.

Sie haben eine Zahl auf dem Display und wollen wissen, was sie bedeutet. Das ist schnell beantwortet – aber nur, wenn zwei Dinge klar sind: wo gemessen wurde und wie oft.

Denn für die Arztpraxis und für das Wohnzimmer gelten unterschiedliche Grenzwerte. Wer die Praxiswerte auf die eigene Messung zu Hause anwendet, stuft sich systematisch zu harmlos ein.

Die Tabelle für die Messung beim Arzt

Das ist die klassische Einteilung, die auch die deutsche Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie verwendet. Alle Angaben in mmHg.

Kategorie Systolisch Diastolisch
Optimal unter 120 und unter 80
Normal 120–129 und/oder 80–84
Hoch normal 130–139 und/oder 85–89
Bluthochdruck Grad 1 140–159 und/oder 90–99
Bluthochdruck Grad 2 160–179 und/oder 100–109
Bluthochdruck Grad 3 ab 180 und/oder ab 110
Isolierte systolische Hypertonie ab 140 und unter 90

Wichtig zum „und/oder": Es zählt immer der ungünstigere der beiden Werte. Bei 135 zu 95 liegt der obere Wert im hoch normalen Bereich, der untere aber schon bei Grad 1 – eingestuft wird nach Grad 1.

Die Tabelle für die Messung zu Hause

Zu Hause fällt die Aufregung der Praxissituation weg, deshalb liegen die Werte im Schnitt niedriger. Damit dieselbe medizinische Aussage herauskommt, sind die Grenzen entsprechend niedriger angesetzt:

Kategorie Heimmessung
Nicht erhöht unter 120/70
Erhöht 120–134 / 70–84
Bluthochdruck ab 135/85

Das ist der Punkt, an dem die meisten Selbstmessungen falsch gedeutet werden. 135 zu 85 zu Hause ist bereits Bluthochdruck – dieselbe Zahl in der Praxis wäre noch „hoch normal". Wir haben genau diesen Fall in Blutdruck 135 zu 85 ausführlich aufgeschlüsselt.

Was sich 2024 geändert hat – und was nicht

Zu diesem Thema kursieren viele Halbwahrheiten, deshalb die klare Ansage:

Die Schwelle für die Diagnose Bluthochdruck liegt unverändert bei 140/90 mmHg in der Praxis. Daran hat sich nichts geändert. Die deutsche Versorgungsleitlinie, die europäische Hypertonie-Leitlinie und die Leitlinie der europäischen Kardiologen sind sich in diesem Punkt einig.

Neu ist etwas anderes: Die europäischen Kardiologen haben 2024 eine Zwischenkategorie eingeführt, den „erhöhten Blutdruck" zwischen 120–139 systolisch beziehungsweise 70–89 diastolisch. Der Sinn dahinter ist nicht, mehr Menschen zu Patienten zu erklären, sondern früher handeln zu können: Wer in diesem Bereich liegt und zusätzliche Risikofaktoren hat, soll nicht warten, bis die 140 erreicht sind.

Konkret sieht die Leitlinie vor, bei solchen Personen zunächst drei Monate lang die Lebensweise anzupassen – und erst wenn die Werte dann noch über 130/80 liegen, eine medikamentöse Behandlung zu erwägen. Diese Entscheidung gehört in die ärztliche Sprechstunde, nicht an den Küchentisch.

In Deutschland arbeitet die Versorgungsleitlinie weiterhin mit der klassischen Einteilung oben. Sie werden also je nach Quelle beiden Systemen begegnen. Widersprüchlich sind sie nicht – sie schneiden denselben Blutdruckbereich nur unterschiedlich fein.

Warum es keine Blutdrucktabelle nach Alter gibt

„Blutdruckwerte nach Alter" wird sehr häufig gesucht, und es kursieren Tabellen, in denen die Normalwerte mit den Lebensjahren ansteigen – etwa 150/90 für Siebzigjährige. Solche Tabellen haben keine Grundlage in den geltenden Leitlinien.

Richtig ist: Der Blutdruck steigt im Durchschnitt mit dem Alter, weil die großen Gefäße steifer werden. Das ist eine Beobachtung, keine Norm. Häufig ist nicht dasselbe wie gesund – und das Risiko, das mit hohen Werten einhergeht, verschwindet nicht dadurch, dass viele Gleichaltrige ähnliche Werte haben.

Deshalb gilt die Grenze 140/90 unabhängig vom Geburtsjahr. Was sehr wohl individuell angepasst wird, ist das Behandlungsziel: Bei sehr alten oder gebrechlichen Menschen wird bewusst weniger streng eingestellt, weil ein zu niedriger Druck dort eigene Risiken mitbringt – Stürze zum Beispiel. Das ist eine ärztliche Abwägung im Einzelfall, kein anderer Normalwert.

Dasselbe gilt für das Geschlecht: Es gibt keine eigene Grenzwerttabelle für Frauen. Frauen haben im Mittel vor den Wechseljahren etwas niedrigere Werte, danach gleicht sich das an. Die Einstufung bleibt dieselbe.

Ein einzelner Wert stuft Sie nicht ein

Das ist der wichtigste Satz dieser Seite. Blutdruck ist keine Konstante, sondern verändert sich fortlaufend – mit der Atmung, der Tageszeit, der Temperatur, der letzten Treppe. Zwei Messungen im Abstand von zwei Minuten liefern regelmäßig unterschiedliche Zahlen, ohne dass etwas nicht stimmt. Warum das so ist, steht in Warum Ihr Blutdruck bei jeder Messung anders ist.

Belastbar wird die Einstufung erst so:

  1. Sieben Tage lang morgens und abends messen, jeweils zwei Messungen im Abstand von ein bis zwei Minuten.
  2. Vor jeder Messung fünf Minuten ruhig sitzen. Ohne diese fünf Minuten messen Sie den Alltag.
  3. Alle Werte notieren – auch die unbequemen.
  4. Den ersten Messtag weglassen (Gewöhnungseffekt), aus dem Rest den Mittelwert bilden.
  5. Diesen Mittelwert mit der Heimmess-Tabelle vergleichen, nicht mit der Praxistabelle.

Die häufigsten Fehler dabei stehen in Blutdruck richtig messen: 7 Fehler, die Ihre Werte verfälschen. Voraussetzung ist ein nach DIN EN ISO 81060-2 geprüftes Oberarmgerät in der richtigen Manschettengröße – siehe Welches Blutdruckmessgerät ist das genaueste?

Die dritte Zahl, die keiner nennt

Die Tabelle bewertet zwei Werte getrennt. Der Abstand zwischen ihnen – der Pulsdruck – taucht darin nicht auf, sagt aber etwas über die Elastizität Ihrer großen Gefäße aus. 160 zu 80 und 160 zu 110 landen in derselben Zeile der Tabelle und beschreiben trotzdem sehr unterschiedliche Situationen. Mehr dazu in Pulsdruck: Was der Abstand Ihrer Blutdruckwerte verrät.

Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten

  • Wenn Ihr Wochenmittel zu Hause bei oder über 135/85 mmHg liegt
  • Wenn einzelne Werte wiederholt über 180/110 mmHg liegen – auch ohne Beschwerden
  • Wenn der Abstand zwischen oberem und unterem Wert dauerhaft über 60 oder unter 30 mmHg beträgt
  • Bei Kopfschmerzen, Sehstörungen, Luftnot, Schwindel oder Herzrasen

Bei plötzlichem starkem Kopfschmerz, Brustschmerz, Sprach- oder Sehstörungen oder einseitiger Lähmung: sofort den Rettungsdienst unter 112 rufen. Ändern Sie eine bestehende Blutdruckmedikation niemals eigenständig anhand einer Tabelle.

Häufige Fragen

Ab welchem Wert spricht man von Bluthochdruck?

In der Arztpraxis ab 140/90 mmHg, bei der Selbstmessung zu Hause bereits ab 135/85 mmHg. Maßgeblich ist nicht eine einzelne Messung, sondern der Mittelwert mehrerer Messungen über etwa eine Woche.

Warum gelten zu Hause niedrigere Grenzwerte?

Weil in der Praxis die Anspannung der Situation mitgemessen wird und die Werte dort im Schnitt höher ausfallen. Damit dieselbe medizinische Aussage herauskommt, wurden die Grenzen für die häusliche Messung entsprechend niedriger angesetzt.

Stimmt es, dass die Grenzwerte 2024 gesenkt wurden?

Nein. Die Schwelle für die Diagnose Bluthochdruck liegt weiterhin bei 140/90 mmHg. Eingeführt wurde lediglich eine Zwischenkategorie „erhöhter Blutdruck" zwischen 120 und 139 mmHg systolisch, um bei Menschen mit zusätzlichen Risikofaktoren früher eingreifen zu können.

Welche Blutdruckwerte sind in meinem Alter normal?

Die Grenzwerte gelten unabhängig vom Alter. Tabellen, in denen die Normalwerte mit den Lebensjahren ansteigen, haben keine Grundlage in den Leitlinien. Der Blutdruck steigt zwar im Mittel mit dem Alter, häufig ist aber nicht gleichbedeutend mit gesund. Individuell angepasst wird bei sehr alten Menschen das Behandlungsziel, nicht die Definition.

Was gilt, wenn nur einer der beiden Werte erhöht ist?

Es zählt der ungünstigere der beiden. Ein oberer Wert ab 140 bei einem unteren Wert unter 90 hat sogar einen eigenen Namen: isolierte systolische Hypertonie. Sie ist im höheren Lebensalter die häufigste Form.

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Quellen

  1. Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie (2023)
  2. Deutsche Hochdruckliga e. V. DHL – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention
  3. Deutsche Herzstiftung e. V.: Leitlinien Hypertonie – was gilt aktuell?
  4. ESC 2024 Guidelines for the management of elevated blood pressure and hypertension
  5. European Society of Hypertension: 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension
  6. DIN EN ISO 81060-2: Nichtinvasive Blutdruckmessgeräte – klinische Prüfung der automatisierten Messart
BR
BPER Redaktion

Die BPER Redaktion schreibt über Blutdruck, Puls und Herz-Kreislauf-Gesundheit. Alle Beiträge werden vor Veröffentlichung fachlich gegengelesen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt weder eine ärztliche Diagnose noch eine Behandlung. Bei Beschwerden oder Fragen zu Ihrer Therapie wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.