Blutdruck bei Hitze: Warum die Werte im Sommer schwanken
Im Sommer weiten sich die Gefäße, der Blutdruck sinkt – bei manchen deutlich. Warum Hitze die Werte verschiebt, wann Schwindel ein Warnsignal ist und wie Sie jetzt messen sollten.
Es ist der 31. Juli, draußen sind es 34 Grad, und Ihr Blutdruckmessgerät zeigt 118 zu 72. Im Februar standen dort noch 138 zu 88. Nichts ist kaputt, und Sie haben nichts falsch gemacht: Der Blutdruck ist eine Größe, die auf Temperatur reagiert. Bei den meisten Menschen sinkt er im Sommer messbar – und genau das kann für einen Teil der Betroffenen zum Problem werden.
Warum der Blutdruck bei Hitze meistens sinkt
Der Körper hat nur wenige Möglichkeiten, Wärme loszuwerden. Die wichtigste davon ist die Haut. Wird es heiß, weitet der Kreislauf die kleinen Gefäße direkt unter der Hautoberfläche, damit mehr warmes Blut dorthin fließt und die Wärme nach außen abgegeben werden kann.
Für den Blutdruck bedeutet das: Das Gefäßsystem wird weiter, das Blutvolumen bleibt gleich – also fällt der Druck. Es ist derselbe Effekt wie in einem Rohrleitungssystem, in dem man die Rohre vergrößert, ohne mehr Wasser hineinzugeben.
Dazu kommt der zweite Faktor: Schwitzen. Über einen heißen Tag verliert ein Erwachsener leicht ein bis zwei Liter Flüssigkeit, bei körperlicher Arbeit deutlich mehr. Wird das nicht ersetzt, sinkt das Blutvolumen – und der Druck fällt weiter.
Warum er bei manchen Menschen trotzdem steigt
Die Suchanfrage „Blutdruck Hitze steigt oder sinkt" ist so häufig, weil beide Beobachtungen stimmen können.
Wenn der Flüssigkeitsverlust groß wird und nicht ausgeglichen wird, reagiert der Körper gegen: Das Nervensystem stellt die Gefäße enger, der Puls steigt, um den Kreislauf stabil zu halten. Bei manchen Menschen kippt die Bilanz dann in die andere Richtung – der Blutdruck geht nicht runter, sondern hoch, oft zusammen mit einem deutlich erhöhten Puls.
Auch schlechter Schlaf in heißen Nächten, körperliche Anstrengung in der Mittagshitze und der Wechsel zwischen klimatisierten Räumen und der Straße verschieben die Werte. Wer wissen möchte, warum zwei Messungen kurz hintereinander ohnehin nie identisch sind, findet die Erklärung in unserem Beitrag Warum Ihr Blutdruck bei jeder Messung anders ist.
Der kritische Punkt: Blutdruckmedikamente im Sommer
Für die meisten Gesunden ist ein sommerlich niedrigerer Blutdruck harmlos. Anders sieht es aus, wenn Sie Medikamente nehmen, die den Blutdruck senken.
Diese Mittel sind auf einen Körper eingestellt worden, der noch nicht bei 34 Grad arbeitet. Die Hitze senkt den Druck zusätzlich, das Medikament senkt ihn ebenfalls – beide Effekte addieren sich. Entwässernde Mittel verstärken zudem den Flüssigkeitsverlust, den das Schwitzen ohnehin schon verursacht.
Das Ergebnis kann ein Blutdruck sein, der zu tief liegt: Schwindel beim Aufstehen, Benommenheit, in ungünstigen Fällen ein Sturz.
Und hier der wichtigste Satz dieses Beitrags: Ändern Sie Ihre Medikation nicht selbst. Nicht die Dosis, nicht den Einnahmezeitpunkt, und setzen Sie nichts ab, auch nicht „nur für die heißen Tage". Ob und wie eine Anpassung sinnvoll ist, entscheidet ausschließlich Ihre Ärztin oder Ihr Arzt – und zwar auf Basis von Werten, die Sie mitbringen.
Warnzeichen, die Sie nicht ignorieren sollten
Bitte suchen Sie ärztlichen Rat, wenn im Sommer eines der folgenden Zeichen auftritt:
- Schwindel oder Schwarzwerden vor den Augen beim Aufstehen, das neu ist oder sich häuft
- Benommenheit, Verwirrtheit oder ungewöhnliche Schläfrigkeit
- Kurze Ohnmacht – auch wenn es „nur einmal" war
- Herzrasen oder Herzstolpern, das Sie so nicht kennen
- Systolische Werte, die dauerhaft deutlich unter Ihrem gewohnten Bereich liegen und mit Beschwerden einhergehen
- Sehr wenig oder sehr dunkler Urin über den Tag
Bei Bewusstlosigkeit, Verwirrtheit mit heißer, trockener Haut oder Krampfanfall handelt es sich um einen Notfall – rufen Sie den Rettungsdienst unter 112.
Richtig messen an heißen Tagen
Gerade im Sommer entscheidet die Messtechnik darüber, ob Ihre Zahlen brauchbar sind:
- Nicht direkt aus der Hitze heraus messen. Kommen Sie von draußen, setzen Sie sich erst zehn Minuten in einen kühleren Raum.
- Fünf Minuten Ruhe vor jeder Messung – ohne Ausnahme, sonst messen Sie die letzte Treppe und nicht Ihren Blutdruck.
- Zwei Messungen morgens und abends, jeweils im Abstand von ein bis zwei Minuten, und beide notieren.
- Puls mitschreiben. Im Sommer ist er oft die aussagekräftigere Zahl: Ein Druck, der fällt, während der Puls steigt, ist ein anderes Bild als ein Druck, der einfach nur ruhig niedriger liegt.
- Temperatur notieren. Ein kurzer Vermerk „32 °C" neben dem Wert macht das Tagebuch für die ärztliche Beurteilung sehr viel wertvoller.
Die häufigsten Messfehler und wie Sie sie vermeiden, haben wir in Blutdruck richtig messen: 7 Fehler, die Ihre Werte verfälschen zusammengestellt.
Trinken: Wie viel ist richtig – und für wen gilt das nicht
Ausreichend trinken ist bei Hitze die naheliegendste Maßnahme, und für die meisten Menschen ist sie richtig: über den Tag verteilt, bevor der Durst kommt, bevorzugt Wasser oder ungesüßten Tee.
Es gibt aber eine wichtige Einschränkung. Wer eine Herzschwäche oder eine Nierenerkrankung hat, bekommt von der behandelnden Praxis häufig eine begrenzte Trinkmenge vorgegeben. Für diese Menschen ist „viel trinken" kein guter Rat, sondern ein Risiko. Wenn für Sie eine Trinkmengenbegrenzung gilt, halten Sie sich daran und besprechen Sie das Sommerverhalten ausdrücklich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Alkohol wirkt zusätzlich gefäßerweiternd und entwässernd – an heißen Tagen also ein Verstärker beider Effekte.
Was Sie in dieser Woche konkret tun können
- Messen Sie sieben Tage lang morgens und abends und notieren Sie jeden Wert – auch die unbequemen.
- Schreiben Sie Puls und Außentemperatur dazu.
- Markieren Sie Tage mit Schwindel, Benommenheit oder Herzrasen.
- Nehmen Sie dieses Blatt zum nächsten Termin mit. Sieben Tage dokumentierte Werte sind für eine Beurteilung deutlich mehr wert als eine einzelne Messung in der Praxis.
- Ändern Sie bis dahin nichts an Ihrer Medikation.
Hitze ist kein Ausnahmezustand für Ihren Blutdruck, sondern ein Belastungstest. Wer in diesen Wochen sauber dokumentiert, hat am Ende des Sommers ein sehr viel genaueres Bild von seinem Kreislauf als vorher.
Häufige Fragen
Steigt oder sinkt der Blutdruck bei Hitze?
Bei den meisten Menschen sinkt er, weil sich die Gefäße zur Wärmeabgabe weiten und über den Schweiß Flüssigkeit verloren geht. Wird der Flüssigkeitsverlust groß und nicht ausgeglichen, kann der Körper gegensteuern und der Blutdruck steigt – dann meist zusammen mit einem höheren Puls.
Soll ich meine Blutdruckmedikamente im Sommer reduzieren?
Diese Entscheidung trifft ausschließlich Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Ändern Sie Dosis, Zeitpunkt oder Einnahme nicht eigenständig. Hilfreich ist, mit einer Woche dokumentierter Werte in den Termin zu gehen.
Warum wird mir im Sommer beim Aufstehen schwindelig?
Hitze und Flüssigkeitsmangel senken den Blutdruck; beim schnellen Aufstehen sackt er kurz weiter ab. Neu aufgetretener oder häufiger Schwindel sollte ärztlich abgeklärt werden, besonders wenn Sie blutdrucksenkende Mittel einnehmen.
Wie viel soll ich an heißen Tagen trinken?
Für die meisten Menschen gilt: regelmäßig über den Tag verteilt trinken, bevor der Durst einsetzt. Wer wegen einer Herz- oder Nierenerkrankung eine begrenzte Trinkmenge einhalten muss, hält sich an diese Vorgabe und bespricht das Sommerverhalten mit der behandelnden Praxis.
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Quellen
- Deutsche Hochdruckliga e. V. DHL – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention: Bluthochdruck und Hitze
- Deutsche Herzstiftung e. V.: Herz und Kreislauf bei Hitze – worauf Herzpatienten achten sollten
- Robert Koch-Institut: Gesundheitliche Auswirkungen von Hitze
- European Society of Hypertension: 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt weder eine ärztliche Diagnose noch eine Behandlung. Bei Beschwerden oder Fragen zu Ihrer Therapie wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.