Blutdruck messen

Wann sollte man Blutdruck messen? Der richtige Zeitplan

Morgens vor dem Frühstück und abends vor dem Schlafengehen, jeweils zweimal, sieben Tage lang. Warum gerade diese Zeitpunkte – und warum Messen zwischendurch mehr schadet als nützt.

Von BPER Redaktion · · 3 Min. Lesezeit
Tagesplan mit den beiden Messfenstern morgens vor dem Frühstück und abends vor dem Schlafengehen
Tagesplan mit den beiden Messfenstern morgens vor dem Frühstück und abends vor dem Schlafengehen

Der Blutdruck folgt einem Tagesrhythmus. Er steigt in den frühen Morgenstunden steil an, erreicht am Vormittag ein Hoch, sinkt über den Nachmittag ab und fällt nachts am tiefsten. Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Punkt eines Tages liegen bei vielen Menschen 20 bis 40 mmHg.

Deshalb ist die Frage nach dem Zeitpunkt keine Formalie. Wer zu wechselnden Zeiten misst, misst den Tagesrhythmus und nicht seinen Blutdruck.

Die beiden festen Zeitfenster

Morgens – innerhalb einer Stunde nach dem Aufstehen. Nach dem Toilettengang, aber vor dem Frühstück und vor der Einnahme von Blutdruckmedikamenten. Der letzte Punkt ist entscheidend: Nach der Tabletteneinnahme messen Sie die Wirkung des Medikaments, nicht Ihren Ausgangswert. Beides ist interessant – aber für die Beurteilung braucht die Praxis den Ausgangswert.

Abends – vor dem Schlafengehen. Nicht direkt nach dem Abendessen, nicht nach Sport, nicht nach einem Glas Wein.

Jeweils zwei Messungen im Abstand von ein bis zwei Minuten. Beide notieren. Die zweite ist typischerweise etwas niedriger – das ist normal und kein Grund, die erste zu verwerfen.

Sieben Tage, dann Schluss

Eine belastbare Aussage entsteht aus einer Messwoche, nicht aus Dauermessen. Der erste Tag wird bei der Auswertung weggelassen, weil die Werte am Anfang durch die Ungewohntheit der Situation höher ausfallen. Aus den übrigen sechs Tagen bilden Sie den Mittelwert.

Diesen Mittelwert vergleichen Sie mit der Heimmess-Grenze von 135/85 mmHg – nicht mit den 140/90 aus der Praxis. Der Unterschied ist in Blutdruckwerte-Tabelle erklärt.

Danach genügen in der Regel wenige Kontrollmessungen pro Woche, sofern ärztlich nichts anderes vereinbart ist.

Warum Messen zwischendurch schadet

Viele messen zusätzlich, wenn sie sich unwohl fühlen oder unruhig sind. Das ist verständlich und trotzdem kontraproduktiv:

  • Sie messen genau dann, wenn der Wert erhöht ist – und bestätigen so Ihre Sorge, ohne dass die Zahl repräsentativ wäre.
  • Der erhöhte Wert verstärkt die Unruhe, die nächste Messung fällt höher aus. Diese Spirale ist ein bekanntes Muster.
  • Die Zusatzmessungen verwischen den Mittelwert Ihrer Messwoche.

Wenn Sie sich unwohl fühlen, ist das ein Grund, auf Ihren Körper zu hören – nicht auf das Gerät. Warum einzelne Werte ohnehin stark schwanken, steht in Warum Ihr Blutdruck bei jeder Messung anders ist.

Was die fünf Minuten davor bewirken

Vor jeder Messung fünf Minuten ruhig sitzen – das ist keine Höflichkeitsfloskel. In dieser Zeit klingt die Kreislaufreaktion auf das ab, was Sie gerade getan haben: Treppe, Türklingel, Gespräch. Ohne diese Pause messen Sie den Alltag mit.

Sitzend, Rücken angelehnt, Beine nicht überkreuzt, Arm auf Herzhöhe, nicht sprechen. In den 30 Minuten davor kein Kaffee und keine Zigarette. Alle Fehlerquellen in Blutdruck richtig messen.

Sonderfälle

Bei Schwindel beim Aufstehen: zusätzlich im Stehen messen – nach einer und nach drei Minuten. Das deckt eine orthostatische Hypotonie auf, die bei reiner Sitzmessung unsichtbar bleibt.

Bei neu eingestellter Medikation: Ihre Praxis gibt in der Regel ein engeres Schema vor. Das hat Vorrang.

Der nächtliche Blutdruck lässt sich zu Hause nicht sinnvoll erfassen – dafür gibt es die 24-Stunden-Messung. Warum die Nachtwerte besonders aussagekräftig sind, steht in Warum Ihr Blutdruck nachts wichtiger ist als tagsüber.

Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten

  • Wenn Ihr Wochenmittel bei oder über 135/85 mmHg liegt
  • Wenn einzelne Werte wiederholt über 180/110 mmHg liegen – auch ohne Beschwerden
  • Wenn die Morgenwerte deutlich über den Abendwerten liegen
  • Bei Kopfschmerzen, Sehstörungen, Luftnot, Schwindel oder Herzrasen

Bei plötzlichem starkem Kopfschmerz, Brustschmerz, Sprach- oder Sehstörungen oder einseitiger Lähmung: sofort den Rettungsdienst unter 112 rufen.

Häufige Fragen

Wann ist der beste Zeitpunkt zum Blutdruckmessen?

Morgens innerhalb einer Stunde nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafengehen. Morgens nach dem Toilettengang, aber vor dem Frühstück und vor der Einnahme von Blutdruckmedikamenten.

Soll ich vor oder nach der Tabletteneinnahme messen?

Vorher. Nach der Einnahme messen Sie die Wirkung des Medikaments und nicht Ihren Ausgangswert. Für die ärztliche Beurteilung ist der Ausgangswert maßgeblich.

Wie oft und wie lange soll ich messen?

Sieben Tage am Stück, morgens und abends je zweimal. Danach genügen in der Regel wenige Kontrollmessungen pro Woche, sofern ärztlich nichts anderes vereinbart ist.

Darf ich zwischendurch messen, wenn ich mich unwohl fühle?

Besser nicht. Sie messen dann genau in einem Moment erhöhter Anspannung, bestätigen damit Ihre Sorge und verwischen zugleich den Mittelwert Ihrer Messwoche.

Warum ist die zweite Messung meist niedriger als die erste?

Das ist normal. Der Blutdruck sinkt im Verlauf einer Messsitzung leicht ab. Notieren Sie trotzdem beide Werte und verwerfen Sie die erste nicht.

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Quellen

  1. Deutsche Hochdruckliga e. V. DHL – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention: Blutdruck richtig messen
  2. Deutsche Herzstiftung e. V.: Blutdruck messen – so geht es richtig
  3. Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie (2023)
  4. European Society of Hypertension: 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension
BR
BPER Redaktion

Die BPER Redaktion schreibt über Blutdruck, Puls und Herz-Kreislauf-Gesundheit. Alle Beiträge werden vor Veröffentlichung fachlich gegengelesen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt weder eine ärztliche Diagnose noch eine Behandlung. Bei Beschwerden oder Fragen zu Ihrer Therapie wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.