Werte verstehen

Blutdruck 105 zu 65: Wann Sie handeln sollten

Ein niedriger Wert allein ist kein Grund zu handeln. Vier Fragen, die klären, ob 105 zu 65 bei Ihnen unbedenklich ist oder abgeklärt gehört.

Von BPER Redaktion · · 3 Min. Lesezeit
Grafische Einordnung des Blutdruckwerts 105 zu 65 mmHg unterhalb des Optimalbereichs
Grafische Einordnung des Blutdruckwerts 105 zu 65 mmHg unterhalb des Optimalbereichs

105 zu 65 liegt unterhalb dessen, was in den meisten Tabellen als Zielbereich steht. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass etwas zu tun wäre.

Beim Blutdruck gibt es eine Asymmetrie, die selten klar ausgesprochen wird: Hoher Blutdruck schadet auch ohne Symptome. Niedriger Blutdruck tut das nicht. Deshalb existieren für oben feste Grenzwerte und für unten nur Orientierungswerte. Die Frage lautet hier nicht „wie tief ist die Zahl", sondern „was spüren Sie dabei".

Vier Fragen, die die Sache klären

1. Fühlen Sie sich wohl und leistungsfähig?
Wenn ja, ist 105 zu 65 einfach Ihr Blutdruck. Kein Handlungsbedarf, keine Tabletten, keine besondere Überwachung. Ein niedriger Ruhedruck ist bei schlanken, jungen und sportlichen Menschen häufig und geht statistisch mit einem geringeren Herz-Kreislauf-Risiko einher.

2. Wird Ihnen beim Aufstehen schwindelig?
Dann messen Sie zusätzlich im Stehen: erst fünf Minuten sitzend messen, dann aufstehen und nach ein und nach drei Minuten erneut. Fällt der obere Wert dabei um mehr als 20 mmHg oder der untere um mehr als 10 mmHg, spricht man von orthostatischer Hypotonie. Diese Werte gehören in die Praxis – bei reiner Sitzmessung bleibt das unentdeckt.

3. Ist der niedrige Wert neu?
Das ist die wichtigste der vier Fragen. Wer jahrelang bei 125 zu 80 lag und jetzt bei 105 zu 65 liegt, hat eine Veränderung – und Veränderungen sind aussagekräftiger als absolute Zahlen. Dahinter können Flüssigkeitsmangel, Blutarmut, Schilddrüsenprobleme oder eine zu stark wirkende Medikation stecken.

4. Hatten Sie eine Ohnmacht oder Beinahe-Ohnmacht?
Dann bitte zeitnah abklären lassen, auch wenn es nur einmal war und Sie sich danach gut gefühlt haben.

Der Abstand ist hier unauffällig

105 minus 65 ergibt einen Pulsdruck von 40 mmHg – das liegt genau im typischen Bereich von etwa 40 bis 50. Beide Werte sind also gleichmäßig niedrig, nicht auseinandergezogen.

Das ist eine beruhigende Information: Ein sehr kleiner Abstand unter etwa 25 bis 30 mmHg könnte auf eine geringe Auswurfleistung des Herzens hindeuten. Davon sind Sie hier deutlich entfernt. Mehr zu dieser dritten Zahl in Pulsdruck: Was der Abstand Ihrer Blutdruckwerte verrät.

Wenn Sie Blutdrucksenker nehmen

Hier ändert sich die Bewertung. Ein Wert von 105 zu 65 unter laufender Therapie kann bedeuten, dass die Einstellung für Ihre aktuelle Situation zu stark ist – besonders wenn Schwindel dazukommt oder es Sommer ist und die Wärme den Druck zusätzlich senkt. Wie stark Hitze mitwirkt, steht in Blutdruck bei Hitze.

Ändern Sie die Dosis trotzdem nicht selbst. Dokumentieren Sie eine Woche lang Werte und Beschwerden und legen Sie das in der Praxis vor – eine Anpassung ist gut möglich, aber sie gehört ärztlich entschieden.

Was im Alltag hilft

Nur relevant, wenn tatsächlich Beschwerden bestehen:

  • Langsam aufstehen – erst aufsetzen, kurz sitzen bleiben, dann stehen
  • Ausreichend trinken; bei vorgegebener Trinkmengenbegrenzung wegen Herz- oder Nierenerkrankung gilt diese Vorgabe
  • Regelmäßige Ausdauerbewegung stabilisiert die Kreislaufregulation
  • Mehrere kleinere Mahlzeiten statt weniger großer
  • Wechselduschen und Kompressionsstrümpfe werden häufig empfohlen

Zu mehr Salz wird bei niedrigem Blutdruck gelegentlich geraten – das ist keine pauschale Empfehlung und sollte ärztlich besprochen werden.

Richtig messen gilt auch nach unten

Auch niedrige Werte werden durch Messfehler verzerrt. Eine zu große Manschette etwa misst zu niedrig. Die übrigen Fehlerquellen stehen in Blutdruck richtig messen. Zur Einordnung aller Werte siehe Blutdruckwerte-Tabelle, zum unteren Bereich ausführlicher Blutdruck 100 zu 70 bei Frauen.

Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten

  • Bei Ohnmacht oder Beinahe-Ohnmacht
  • Bei neu aufgetretenem oder deutlich gesunkenem Blutdruck
  • Bei Schwindel, der sich häuft oder beim Aufstehen regelmäßig auftritt
  • Bei anhaltender Müdigkeit oder Leistungsknick ohne erkennbaren Grund
  • Wenn Sie blutdrucksenkende Mittel einnehmen und diese Werte messen

Bei Bewusstlosigkeit, Brustschmerz oder Luftnot: sofort den Rettungsdienst unter 112 rufen.

Häufige Fragen

Ist 105 zu 65 zu niedrig?

Ohne Beschwerden nicht. Der Wert liegt unter dem Zielbereich, aber niedriger Blutdruck gilt nur dann als behandlungsbedürftig, wenn er Symptome verursacht. Bei schlanken, jungen und sportlichen Menschen ist er häufig.

Wie prüfe ich, ob mein Schwindel vom Blutdruck kommt?

Messen Sie im Sitzen nach fünf Minuten Ruhe, stehen Sie dann auf und messen Sie nach einer und nach drei Minuten erneut. Fällt der obere Wert um mehr als 20 mmHg oder der untere um mehr als 10 mmHg, sollten Sie das ärztlich abklären lassen.

Was bedeutet es, wenn mein Blutdruck neuerdings niedriger ist?

Eine Veränderung ist aussagekräftiger als ein absoluter Wert. Mögliche Ursachen sind Flüssigkeitsmangel, Blutarmut, Schilddrüsenerkrankungen oder eine zu stark wirkende Medikation. Das gehört untersucht.

Ich nehme Blutdrucksenker und messe 105 zu 65 – was tun?

Dokumentieren Sie eine Woche lang Werte und Beschwerden und legen Sie das in der Praxis vor. Eine Anpassung ist gut möglich, muss aber ärztlich entschieden werden. Ändern Sie die Dosis nicht eigenständig.

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Quellen

  1. Deutsche Herzstiftung e. V.: Niedriger Blutdruck
  2. Deutsche Hochdruckliga e. V. DHL – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention
  3. Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie (2023)
  4. European Society of Hypertension: 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension
BR
BPER Redaktion

Die BPER Redaktion schreibt über Blutdruck, Puls und Herz-Kreislauf-Gesundheit. Alle Beiträge werden vor Veröffentlichung fachlich gegengelesen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt weder eine ärztliche Diagnose noch eine Behandlung. Bei Beschwerden oder Fragen zu Ihrer Therapie wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.