Blutdruck messen

PP am Blutdruckmessgerät: Was die dritte Zahl bedeutet

Viele Geräte zeigen neben Systole und Diastole ein PP an. Es ist keine dritte Messung, sondern der Abstand der beiden Werte – und genau deshalb erbt es deren Fehler.

Von BPER Redaktion · · 5 Min. Lesezeit

Auf dem Display stehen zwei Zahlen, die jeder kennt. Bei manchen Geräten erscheint daneben ein drittes Kürzel: PP, oft mit einem Wert zwischen 30 und 70.

Die Frage, die dann entsteht, ist verständlich: Habe ich gerade einen dritten Blutdruckwert gemessen, den mir niemand erklärt hat? Nein. PP ist überhaupt keine Messung. Es ist eine Rechnung, die das Gerät für Sie erledigt hat.

Wofür PP steht

PP ist die Abkürzung für pulse pressure, auf Deutsch Pulsdruck. Die Deutsche Hochdruckliga führt denselben Wert in ihrem Glossar unter der Bezeichnung Blutdruckamplitude und definiert ihn als „Abstand zwischen oberem (systolischem) und unterem (diastolischem) Blutdruck“.

Die Rechnung dahinter ist eine Subtraktion:

PP = oberer Wert − unterer Wert
120 zu 80 ergibt PP 40 · 135 zu 85 ergibt PP 50 · 160 zu 80 ergibt PP 80

Sie können das jederzeit selbst nachrechnen. Ein Gerät, das PP anzeigt, nimmt Ihnen nichts ab, was Sie nicht auch im Kopf könnten – es erspart Ihnen nur den Zwischenschritt.

Warum PP kein Messwert ist – und warum das zählt

Das klingt nach einer Spitzfindigkeit, ist aber der praktisch wichtigste Punkt dieser Seite.

Ihr Gerät misst zwei Größen. Beide tragen eine Messunsicherheit. Ein nach DIN EN ISO 81060-2 geprüftes Oberarmgerät darf im Mittel bis zu 5 mmHg von der Referenz abweichen. Wenn Sie zwei solche Werte voneinander abziehen, addieren sich deren Abweichungen in der Differenz – sie heben sich nicht auf.

Dasselbe gilt für Anwendungsfehler. Eine zu lockere Manschette, ein Arm unterhalb der Herzhöhe, Sprechen während der Messung: Jeder dieser Fehler verschiebt den oberen und den unteren Wert unterschiedlich stark – und verändert damit die Differenz oft stärker als jeden Einzelwert. Welche Fehler das im Einzelnen sind, steht in Blutdruck richtig messen: 7 Fehler, die Ihre Werte verfälschen.

Dazu kommt die natürliche Schwankung: Der Blutdruck verändert sich im Atemrhythmus fortlaufend, zwei Messungen hintereinander sind nie identisch. Auch diese Schwankung landet vollständig im PP.

Praktische Konsequenz: Ein einzelner PP-Wert auf dem Display sagt sehr wenig. Aussagekräftig wird die Zahl erst als Mittel einer ganzen Messwoche – systolisch und diastolisch getrennt gemittelt, dann subtrahiert.

Die anderen Kürzel auf dem Display

PP kommt selten allein. Welche Kürzel ein Gerät anzeigt, legt der Hersteller fest – verbindlich ist immer die Gebrauchsanweisung Ihres Geräts. Häufig sind:

  • SYS – der obere, systolische Wert in mmHg
  • DIA – der untere, diastolische Wert in mmHg
  • PUL oder Puls – die Herzfrequenz in Schlägen pro Minute. Nicht zu verwechseln mit PP
  • PP – der Abstand der beiden Druckwerte, errechnet
  • MAP – der mittlere arterielle Druck, ebenfalls errechnet, aber nach einer anderen Formel als PP
  • Herzsymbol mit Wellenlinie – ein Hinweis auf einen unregelmäßigen Herzschlag während der Messung

Die beiden häufigsten Verwechslungen lohnen eine klare Ansage: PP ist nicht der Puls – der Puls zählt Schläge pro Minute, PP ist ein Druck in mmHg. Und PP ist nicht MAP – beide werden errechnet, beschreiben aber Verschiedenes.

Was die Zahl aussagt – und ab wann

Hier ist eine Klarstellung nötig, die in vielen Ratgebern fehlt: Für den Pulsdruck gibt es keinen offiziell festgelegten Normalbereich. Beim Blutdruck selbst sind 140/90 mmHg in der Praxis und 135/85 mmHg zu Hause klar definiert – für den Abstand existiert keine entsprechende Grenzwerttabelle.

Was es gibt, ist eine Schwelle. Die Deutsche Hochdruckliga schreibt in ihrem Patientenleitfaden:

„Laut Studien steigt das kardiovaskuläre Risiko, wenn der Pulsdruckwert dauerhaft größer als 65 mmHg ist.“

Zur Einordnung: Aus den üblichen Werten gesunder Erwachsener ergibt sich rechnerisch eine Größenordnung um 40 bis 50 mmHg. Das ist eine Rechnung, kein Grenzwert.

Und es ist eine Aussage über Bevölkerungen, nicht über Sie. Ein einzelnes PP von 67 auf dem Display bedeutet zunächst gar nichts – weder eine Diagnose noch einen Handlungsbedarf. Warum der Abstand überhaupt etwas über die Elastizität der großen Gefäße aussagt, steht ausführlich in Pulsdruck: Was der Abstand Ihrer Blutdruckwerte verrät.

Lohnt sich ein Gerät, weil es PP anzeigt?

Die ehrliche Antwort lautet: als Kaufgrund nicht. Eine PP-Anzeige fügt dem Gerät keine Messfähigkeit hinzu. Sie führt eine Subtraktion aus, die Sie mit zwei Zahlen und zehn Sekunden selbst erledigen – und das Ergebnis ist exakt dasselbe.

Was ein Gerät dagegen wirklich unterscheidet, sind Dinge, die vor der Rechnung passieren: ob es nach DIN EN ISO 81060-2 klinisch geprüft ist, ob die Manschette zu Ihrem Oberarmumfang passt, ob am Oberarm statt am Handgelenk gemessen wird. Diese Punkte entscheiden über die Qualität beider Ausgangswerte – und damit auch über die Qualität des PP.

Bequem ist die Anzeige trotzdem, vor allem wenn Sie den Wert über Wochen mitführen wollen. Sie ersetzt nur keine Prüfung des Geräts.

Was Sie mit dem Wert sinnvoll anfangen

  1. Nicht einzeln bewerten. Notieren Sie wie gewohnt die beiden Hauptwerte über sieben Tage, morgens und abends je zweimal.
  2. Ersten Tag weglassen (Gewöhnungseffekt), aus dem Rest systolisch und diastolisch getrennt mitteln.
  3. Erst dann subtrahieren. Diese Zahl ist belastbar – die vom Display ist es nicht.
  4. Auf Veränderung achten, nicht auf einen Absolutwert. Ein Abstand, der sich gegenüber früheren Messreihen deutlich verschoben hat, ist das interessantere Signal.

Voraussetzung für all das ist ein nach DIN EN ISO 81060-2 geprüftes Oberarmgerät mit passender Manschettengröße – woran Sie das erkennen, steht in Welches Blutdruckmessgerät ist das genaueste? Wie die beiden Hauptwerte selbst einzuordnen sind, zeigt die Blutdruckwerte-Tabelle.

Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten

  • Wenn der gemittelte Abstand aus einer Messwoche dauerhaft über 65 mmHg liegt
  • Wenn der Abstand auffallend klein ist und Beschwerden dazukommen
  • Wenn sich der Abstand gegenüber früheren Messreihen deutlich verändert hat
  • Bei Luftnot bei Belastung, Schwindel, Engegefühl in der Brust, Leistungsknick oder geschwollenen Knöcheln
  • Wenn Ihr Gerät wiederholt einen unregelmäßigen Herzschlag anzeigt

Ändern Sie eine bestehende Blutdruckmedikation niemals eigenständig anhand eines Displaywerts. Bei plötzlichem starkem Brustschmerz, Luftnot, kaltem Schweiß, Sprach- oder Seh­störungen oder einseitiger Lähmung: sofort den Rettungsdienst unter 112 rufen.

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Häufige Fragen

Was bedeutet PP beim Blutdruckmessgerät?

PP steht für pulse pressure, auf Deutsch Pulsdruck. Es ist der Abstand zwischen oberem und unterem Blutdruckwert in mmHg. Die Deutsche Hochdruckliga führt denselben Wert als Blutdruckamplitude. Das Gerät misst diesen Wert nicht, sondern errechnet ihn aus den beiden gemessenen Zahlen.

Wie wird der PP-Wert berechnet?

Oberer Wert minus unterer Wert. Bei 120 zu 80 ergibt das PP 40, bei 135 zu 85 ergibt es PP 50. Sie können die Zahl jederzeit selbst nachrechnen – eine PP-Anzeige erspart Ihnen nur den Zwischenschritt, sie misst nichts zusätzlich.

Ist PP dasselbe wie der Puls?

Nein, und das ist die häufigste Verwechslung. Der Puls zählt Herzschläge pro Minute und wird meist als PUL angezeigt. PP ist ein Druck in mmHg. Auch MAP ist etwas anderes: der mittlere arterielle Druck, ebenfalls errechnet, aber nach einer anderen Formel.

Welcher PP-Wert ist normal?

Einen offiziell festgelegten Normalbereich gibt es für den Pulsdruck nicht. Aus den üblichen Werten gesunder Erwachsener ergibt sich rechnerisch eine Größenordnung um 40 bis 50 mmHg. Das ist eine Rechnung zur Orientierung und kein Grenzwert.

Ab wann ist der PP-Wert zu hoch?

Die Deutsche Hochdruckliga schreibt in ihrem Patientenleitfaden, das kardiovaskuläre Risiko steige, wenn der Pulsdruckwert dauerhaft größer als 65 mmHg ist. Das ist ein statistischer Zusammenhang aus Bevölkerungsstudien, keine Diagnose. Entscheidend ist der Mittelwert einer Messwoche, nicht eine einzelne Anzeige.

Kann ich mich auf den PP-Wert vom Display verlassen?

Auf einen einzelnen Wert nicht. PP erbt die Messabweichungen beider Ausgangswerte, und weil subtrahiert wird, addieren sich diese Abweichungen statt sich aufzuheben. Auch Anwendungsfehler und die natürliche Atemschwankung landen vollständig im PP. Belastbar wird die Zahl erst als Mittel einer siebentägigen Messreihe.

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Quellen

  1. Deutsche Hochdruckliga, Patientenleitfaden Bluthochdruck, 2024
  2. Deutsche Hochdruckliga, Glossar: Blutdruckamplitude
  3. Deutsche Herzstiftung, Systolischer und diastolischer Blutdruck
  4. DIN EN ISO 81060-2: Nichtinvasive Blutdruckmessgeräte – klinische Prüfung der automatisierten Messart
BR
BPER Redaktion

Die BPER Redaktion schreibt über Blutdruck, Puls und Herz-Kreislauf-Gesundheit. Alle Beiträge werden vor Veröffentlichung fachlich gegengelesen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt weder eine ärztliche Diagnose noch eine Behandlung. Bei Beschwerden oder Fragen zu Ihrer Therapie wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.